Was ich von dir lernen kann
Sep 23, 2026Neulich habe ich meine Kinder beim Spielen beobachtet. Mein Älteres läuft genau wie sein Papa. Und mein Kleineres lacht wie ich. Das sagen zumindest viele und ein bisschen sehe ich es auch.
Das ist kein Zufall, sondern Biologie. Wir sind von Geburt an darauf ausgelegt, unser Umfeld zu beobachten und daraus zu lernen. Und das hört mit der Kindheit nicht auf.
Wenn jemand neu in ein Unternehmen kommt, passiert genau dasselbe. Wie Meetings moderiert werden, wie man Gespräche führt, wie man mit Konflikten umgeht. Bewusst oder unbewusst wird beobachtet, aufgenommen und nachgemacht.
Im Büro sagt man dann irgendwann: Ah, die ist durch die Schule von *Name einfügen* gegangen. Das sieht man.
Ich denke, das ist auch der Hauptgrund, warum Young Professionals oft weniger Homeoffice gewährt wird. Nicht weil Unternehmen altmodisch sind, sondern weil diese kleinen, schwer beschreibbaren Dinge durch einen Bildschirm einfach schlechter transportiert werden.
Mit der Zeit verändert sich das: Man findet seinen eigenen Stil und die eigene Intuition wird wichtiger als das, was andere vormachen. Mit jedem angehäuften Lebensjahr wird das eigene Leben noch individueller, sodass einfaches Nachahmen sowieso nicht mehr wirklich funktioniert.
Was dann bei vielen folgt, ist eine Art bewusste Abgrenzung. Man konzentriert sich auf sich selbst, hört auf die eigene Stimme und lässt sich nicht mehr so leicht von außen beeinflussen.
Das ist eine Entwicklung, die ich absolut unterstütze.
Und trotzdem denke ich, dass es kein entweder oder sein muss.
Man kann sich von anderen Menschen inspirieren lassen, ohne sie nachzuahmen. Ohne ganze Teile ihres Lebens oder ihrer Persönlichkeit zu übernehmen. Es kann sich immer noch stimmig anfühlen und man kann sich selbst treu bleiben.
Was ich meine, ist, mit offenen Augen durch die Begegnungen des Alltags zu gehen und sich zu fragen: Was macht diese Person besonders gut? Wo kann ich mich von ihr inspirieren lassen?
Nicht kopieren, sondern inspirieren lassen. Das ist ein Unterschied, den ich für sehr wichtig halte.
Ich begegne in meiner Arbeit regelmäßig Menschen, die sich in einer Art produktiver Isolation befinden. Sie haben vieles richtig gemacht (sich von toxischen Einflüssen befreit, auf die eigene Stimme gehört), aber dabei auch den Blick nach außen fast ganz verloren. Die Augen werden enger, der Radius kleiner.
Dabei ist genau dieser Blick nach außen, wenn er richtig eingesetzt wird, einer der stärksten Wachstumsbeschleuniger, die ich kenne.
Wenn wir anfangen, uns zu fragen "Was macht diese Person gut?”, dann shiftet sich unser Fokus.
Wir suchen nach den Stärken anderer und fangen dadurch an, viel mehr wahrzunehmen. Bei Kolleginnen und Kollegen, Freunden, Familie.
Plötzlich fällt auf: Wie elegant diese eine Kollegin Kritik formuliert. Wie ruhig ein Freund bleibt, wenn es schwierig wird. Wie offen eine Bekannte auf Menschen zugeht, die sie noch nicht kennt. Das war schon immer da, man hat es nur nicht gesucht.
Und wer anfängt, es zu suchen, merkt schnell: Wir haben eigentlich schon sehr viele tolle Menschen in unserem Leben. Wir hatten nur nicht immer die Augen dafür offen.
Ich finde das einen schönen Gedanken und wenn du willst: Schließe jetzt den Blog und denke an 3 Personen, zu denen du aufschaust und überlege, was genau dich an ihnen inspiriert.