Wie ist Dein Energielevel?
Sep 29, 2026Im letzten Blog ging es um psychologische Sicherheit. Darum, dass Du bei der Arbeit so sein darfst, wie Du bist, auch mit Deiner Gefühlswelt. Natürlich immer in einem professionellen Rahmen. Heute geht es noch einen Schritt weiter. Denn nicht jedes „Wie geht es Dir?" hat mit Gefühlen im engeren Sinn zu tun.
Manchmal kränkelst Du einfach ein bisschen. Manchmal hast Du schlecht geschlafen oder hast schon Deine ganze Energie beim Fertigmachen Deiner Kinder für den Kindergarten aufgebraucht. Ob Du den Grund dafür nennst? Kannst Du, wenn Dein Team vertraut ist. Musst Du aber nicht.
Was für Dich als Team Lead viel wichtiger ist: Wie performant ist Dein Team gerade?
Stell Dir einen Fußballtrainer vor. Um die Aufstellung für das nächste Spiel zu planen, ist er eine Woche damit beschäftigt, sich Informationen einzuholen: Wer ist verletzt? Wie schlimm ist die Verletzung? Kann die Person trotzdem spielen? Wer ist fit? Wo ist er eingeschränkt? Ohne dieses Wissen kann er sein Team nicht sinnvoll aufstellen.
Und genau darum geht es auch in Meetings. Ich frage zu Beginn jedes Gruppen Workshops oder nach einer längeren Pause immer wieder: „Wie ist Dein beziehungsweise Euer Energielevel von 0-10?"
Alle werden gefragt und jede Antwort wird wertfrei akzeptiert. Es geht nicht darum, jemanden zu überzeugen, dass es ihm oder ihr eigentlich besser geht, indem der Grund relativiert wird. Der Grund tritt dabei ganz bewusst in den Hintergrund. Wichtig ist nur: Wie fühlst Du Dich gerade?
Wenn ich merke, der Durchschnitt im Raum liegt bei 4 bis 5, dann weiß ich: Der Inhalt, den ich eigentlich vorbereitet habe, passt vielleicht nicht. Oder ich nehme mir gezielt die raus, die bei einer 9 oder 10 stehen, und arbeite vor allem mit ihnen weiter oder verstehe zumindest, warum sie sich gerade besonders einsetzen können.
Und dann kommt noch ein wichtiger Teil dazu: Selbstverantwortung. Wenn ich in Workshops merke, dass zwei oder drei ein hohes Energielevel haben und zwei oder drei ein niedriges, frage ich die Gruppe: Was braucht Ihr jetzt? Wollt Ihr lieber im Stehen weitermachen? Euch einen Kaffee oder eine Cola holen? Kurz raus an die frische Luft, drei bewusste Atemzüge nehmen und wieder reinkommen? Verschieben lässt sich der Termin ja meistens nicht. Also geht es darum, in dem Moment das Beste herauszuholen.
Als Team Lead lohnt es sich außerdem, über einen längeren Zeitraum zu beobachten: Wann ist mein Team eigentlich am leistungsstärksten? Dienstagvormittag oder Freitagnachmittag? Und was braucht mein Team grundsätzlich, um performant zu sein?
Das kostet am Anfang vielleicht etwas Überwindung, in Meetings danach zu fragen. Aber ich verspreche Dir: Es lohnt sich.
Wie Du Dein Team (und Dich selbst) dann tatsächlich auf ein höheres Energielevel bringst, dazu mehr im nächsten Newsletter.
Und wenn Du mir in der Zwischenzeit schreibst, wie Deine Erfahrungen mit der Abfrage der Energielevel waren, freue ich mich :)